Grüße vom Hauptbahnhof

Schnorren mit klassischer Musik oder Möse und Oberbillg – Leipzig mausert sich zum kulturvollen Vorreiter

Da ist ihnen mal was richtig Gutes eingefallen, den gewählten VertreterInnen dieser Stadt. Da muss mensch erst mal drauf kommen. Wie lange mögen sie darüber gebrütet haben, bis sie dieses Ei in Leipzig legen konnten? Die Messestadt ist mächtig stolz auf ihre Musiker, Maler und all die anderen Künstler, die hier mal durchgefahren sind. Die Stadt ist so stolz, dass sie nicht warten kann, den BesucherInnen aus aller Welt davon etwas mitzuteilen. Es ist ihr einfach zu wichtig. Diese Kulturmetropole haut den unschuldigen Menschen, die arglos hier her kommen, beim Verlassen des Bahnhofs klassische Musik in einer Endlosschleife um die Ohren. Der überwältigende Erfolg gibt ihnen recht.

Seit der Realisierung dieser unfassbar genialen Idee, steigen die Übernachtungszahlen kometenhaft nach oben. Die BesucherInnen geben, inspiriert durch den musikalischen Anschlag, viel mehr Geld aus. Die Einnahmen der Stadt explodieren. Einen neuen City – Tunnel könnten sie in diesen Tagen aus der Kaffeekasse bezahlen. Aber, wer solche Ideen hervorbringt, hat sicher noch mehr in der Tasche. Da muss noch mehr gehen.

Was kommt als Nächstes? Sinfonieorchester im Flughafen? Klassik auf den öffentlichen Klos der Stadt? Bachkantaten in allen Taxis? Werden künftig Red Bull Dosen als Willkommensgeschenk am Bahnhof verteilt? Leipzig hat ja eine Fußballmannschaft des Brausebrauers in der ersten Bundesliga und in dem europäischen Elitedingsbums. Das sollten die Besucher wissen, wenn sie den ersten Schritt in die Stadt setzen.

Und was ist mit den Malern der Stadt? Warum verteilt Neo Rauch nicht seine Bilder am Bahnhof? Kabarettisten könnten auftreten und den Besuchern den Humor der Stadt nahe bringen. Felix Meyer kann in der Westhalle aus seinen Büchern lesen. Dieses Stadtmarketing kann heftig weiter entwickelt werden. Da gibt es noch Reserven. Klassische Musik kann nur ein Anfang sein.

Auch andernorts wird die sympathische Idee der Leipziger gern aufgegriffen. In der gemütlichen Kleinstadt Calau gibt es bereits Überlegungen, auf dem Bahnhofsvorplatz 24 Stunden lang, rund um die Uhr also, die besten Calauer zu Gehör zu bringen. Schildau hat schon angerufen in Leipzig und um einen Erfahrungsaustausch gebeten. Städte und Gemeinden wie „Meinkot“, „Alkburg“, „Großkotzenreuth“, „Quälhof“, „Möse“ oder „Fickmühlen“ wollen auf den Zug aufspringen und Projekte starten, um Besucher würdig zu empfangen.

Leipzigs Oberbürgermeister Jung gibt seine Erfahrungen gern weiter, auch wenn es für „Oberbillig“ an der Mosel ist.

Die schnorrenden Punker am Westeingang des Leipziger Hauptbahnhofs indessen, entwickeln sich zu den musikalischen gebildetsten Schnorrern Deutschlands. Mit Bach als Begleitung gebe ich doch gern einen Euro in den Becher…

Euer reisefreudiger Eiffe der Bär