Ein besonderer Preis für die Kunst

Im Namen von Eiffe wurden zwei Künstler ausgezeichnet. Chancen hatten alle Nominierten – alle Laudationes. Die Eiffe-Kulturpreise 2016 gingen am Ende Christian Paus für sein Lebenswerrk und an Manfred Maurenbrecher, überreicht auf dem Sommerfest.

Vicky Vomit

Vicky Vomit tobt seit beinahe 25 Jahren mit seinem tiefsinnigen Unfug, wie er selbst sein Schaffen bezeichnet, über die Bühnen des Landes. Es ist kaum zu glauben, dass seit seinem schon damals sehr vorausschauendem Hit „Arbeitslos und Spaß dabei“ so viel Zeit vergangen sein soll. Vicky ließ uns an einem lauschigen Sommerabend augenzwinkernd in uns hineinlachen.

01vicki_bearbeitet-2Ob mit Band, oder solo als Liedermacher oder Comedian und nicht zuletzt selbst auch als Veranstalter, Vicky verzaubert Herz und Leber. Selten lässt er in seinen Programmen eine Zielgruppe aus.

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Das weiß der Barde aus Thüringen ganz gut. Deshalb kann er auch über sich selbst lachen.

 

Logisch also, Vicky Vomit für den Eiffe der Bär Kulturpreis zu nominieren!

Alma de arrabal

Sie hat sich voll und ganz dem Tango verschrieben, die Band „alma de arrabal“. Das Quartett um die Leipziger Sängerin und Schauspielerin Beate Furcht hat sich neu formiert und sich der fulminant schönen Traurigkeit des Tangos verschrieben. Die vier Musiker brachten den argentinischen Tango nach Bad Meusdorf. Es gelang Ihnen, die Türen für den Tango mit viel Leidenschaft zu öffnen.01alma_bearbeitet-1

Die Band entführt das Publikum mit ihren Konzerten mit leisen, derben und manchmal lauten Tönen in die Barrios von Buenos Aires. Beate Furcht singt nicht nur die traurigen und deftigen Tangos überwiegend aus Argentinien, sondern auch aus Frankreich und Leipzig. Die Stücke von Astor Piazzolla, dem Schöpfer des „Tango nuevo“ scheinen ein Glücksfall für die Gruppe zu sein. Tango ist „Tanzen voller Hingabe am Rande des Abgrunds“ beschreiben sie ihre Musik. Wer ihre Konzerte erlebt hat, wird dies abgründig tief bestätigen!

Absturz und Auferstehung, Weltumarmung, Wut und Trauer wechseln sich in der Musik der Kapelle ab. Deshalb haben wir sie nominiert für den Eiffe der Bär Kulturpreis 2016: die Tangoformation „alma de arrabal“ mit Beate Furcht als Sängerin, Gianna Kancheva am Akkordeon, Hannes Malkowski an den Percussions und Franz Schwarznau am Kontrabass…

 

Manfred Maurenbrecher

Oh ja, der Mann und dieses Fahrrad, füreinander sind sie jung,

sie üben grad am Nanga Parbat, nehmen für die Steigung Schwung.

Drum lasst es schnein, die Sonne scheinen und die Jahreszeiten gehn,

seht ihr den Mann mit seinem Fahrrad, sollt ihr still beiseite stehn.

Ihr seht den Kampf und seht die Wahrheit, ja, setzt ruhig noch was drauf –

da schiebt ein Mann sein altes Fahrrad, und die Hoffnung hört nicht auf.01maurenbrecher_bearbeitet-1

Wir haben einen der bedeutendsten Songpoeten auf Eiffes Kandidatenliste genommen. Wer seine Konzerte verlässt, bekommt eine gehörige Portion Hoffnung mit, wer seine Konzerte verlässt, möchte nicht beiseitetreten, um Platz zu machen, für den Mann mit seinem alten Fahrrad, sie oder er möchte ihn ein Stück begleiten und die Hoffnung mit ihm teilen. Jemand hat mal geschrieben, seine Stärke ist die Langsamkeit. Damit allerdings ist er so schnell, dass er ganz vorn dran ist. Manfred Maurenbrecher ist leise und langsam mit solch einer Wucht, dass Gänsehautentzündung bei seinen Auftritten stets garantiert ist. Manfred Maurenbrecher, nominiert für den Eiffe der Bär – Kulturpreis 2016!

 

Michael Schweßinger

Er ist wieder dabei, der Meister der leisen Töne, die so laut sein können. Seine Geschichten aus dem Leben herausgeschrieben, haben uns wieder veranlasst, ihn zu einem Kandidaten für den Eiffe der Bär Kulturpreis 2016 zu machen. Michael Schweßinger folgt wie eh und je seiner Sehnsucht nach Herausforderungen. Er verließ Deutschland mal wieder und schickt uns seine Nachrichten vom „Östlichen Randes des Imperiums“ aus Bukarest. Wenn Schweßinger schreibt „Vaterland ist abgebrannt“, frage ich mich, wer hat hier das Feuer weitergegeben? 01schwessinger_bearbeitet-1

In seinen Geschichten nimmt er den Leser mit durch sein Leben in der Fremde, erzählt von abenteuerlichen LKW-Fahrten und skurrilen Bekanntschaften. Amüsiert lernt er die Gelassenheit der Fremden kennen und betrachtet aus der Ferne skeptisch die Gewohnheiten der Deutschen. Dabei philosophiert er aufs Feinste über die zurückgebliebene Asche. Er gehört zu denen, denen mensch immerhin eine Ahnung zutraut, wo noch Glut zu finden ist. Michael Schweßinger, Träger des Eiffe der Bär Kulturpreises 2014 ist nominiert für den gleichnamigen Preis 2016.!

 

Thin Pot Three

Im heißen Juli 2015 bekamen wir in der gut temperierten Kirche von Güldengossa Welt Musik um die Ohren. Stefan Litsche: Klarinette, Phil Alexander: Akkordeon und Lenz Huber am Kontrabass gaben sich die Ehre. Ihr musikalisch, weltumspannendes Projekt nennt sich „Thin Pot three“. Es gelang ihnen im Handumdrehen die Zuhörer in Güldengossa an die verschiedenen Orte ihrer musikalischen Ideen mitzunehmen.

Ihre virtuose Spieltechnik machte aus einer christlichen Dorfkirche in Sachsen den Mittelpunkt einer phantastischen musikalischen Welt. Hautsächlich Klezmer und Stücke aus Osteuropa erfüllten das kleine Gotteshaus.01thinpot_bearbeitet-1

Es ist ihnen anzumerken, dass es ihnen darum geht, die Spielfreude zu pflegen und um die Stücke herumzuspielen, so dass jeder mal jede Rolle übernehmen kann, anstatt auf sturer Tradition zu beharren. Ein gescheiter Musiker hat es einmal so formuliert: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Aufbewahrung der Asche!“, was für ein schöner Satz. Der soll ja nicht nur für die Musik gelten!

Stefan Litsche aus Berlin ist schon lange in der Berliner Klezmerszene aktiv und der Engländer Phil Alexander ist auf seiner Insel auch kein Unbekannter. Lenz Huber aus Zürich, mittlerweile ein bekennender Fan von Eiffe dem Bären, kennen wir als verrückten und experimentierfreudigen Kontrabassisten, als einen Meister seines Fachs. Das alles sind mehr als genug Gründe, um „Thin Pot three“ für den Kulturpreis 2016 zu nominieren!

 

Christian Bau

Er schuf 1995 den Dokumentarfilm „Eiffe for President – alle Ampeln auf Geld“. Er ist Drehbuchautor, Regisseur, Kameramann und Produzent. Angefangen hat alles mit einer ordentlichen Ausbildung zum Fotografen. Wahrscheinlich hat er es in seinem spannenden Leben auf noch viel mehr Gebieten zur Meisterschaft gebracht. Nicht nur deshalb wirkt er auch als Dozent an den Hochschulen für bildende Künste in Berlin und Hamburg.

Er war 1979 Mitbegründer des Medienzentrums „Die Thede“ in Hamburg und gründete schließlich 1999 die „Thede“ – Filmproduktion Hamburg, wo seine Filmprojekte umgesetzt werden.bau

Inzwischen wirkte Christian Bau an über 40 Filmen mit. Auf diesem Weg nahm er auch wichtige Auszeichnungen seines Genres mit, so z. B. 1987 der Preis der deutschen Filmkritik für seinen Dokumentarfilm „Maschinensturm“ oder 2011 den norddeutschen Filmpreis für sein Porträt des Künstlers Jimmy Ernst in „Zwiebelfische – Jimmy Ernst – Glücksstadt / New York. Im März 2015 gelang es uns, ihn nach Leipzig zu locken. Bei diesem Besuch brachte er seinen Film zu Peter – Ernst – Eiffe mit. „Eiffe für President – Alle Ampeln auf gelb“ wurde im Rahmen der Buchmesse 2015 in der Schaubühne Lindenfels aufgeführt. Christian plauderte aus den alten Zeiten. Was auch immer er anfängt. Er verfolgt seine Ziele mit nordischer Akribie, ohne zu viele Worte darüber zu verlieren.

Ich habe dazu nun einige Worte verloren. Nominiert für den Eiffe der Bär – Kulturpreis 2016: Christian Bau, Filmemacher aus Hamburg!

 

André Herzberg

Er kommt über Dich wie ein Wolkenbruch an Deinem Hochzeitstag….

Noch ein Songpoet… Dieser Sänger und Liedermacher aus den Manufakturen der handgefertigten Träume hat es zu recht auf die Kandidatenliste für den Eiffe der Bär Kulturpreis 2016 geschafft. Dort stand er bereits 2014. Sein Schaffen jedoch ist umfangreicher. Er arbeitete in seiner langen Laufbahn darüber hinaus als Schauspieler, TV – Moderator, Drehbuchautor und Theatermann

So sind die Zeiten vorbei, seinen Namen nur in Verbindung mit einer Berliner Rockband zu erwähnen. Das Werk dieses Mannes ist größer geworden. Es gab Zeiten, die wollten ihn verschlucken, die wollten ihn aussaugen, da gings ihm nicht gut. Er musste sich selbst aus der Scheisse ziehen.01herzberg_bearbeitet-1

Inzwischen ist 60 Jahre alt und jede Nominierung für sein Werk wert. Es gelang ihm zu unserer Freude, sich neu zu erfinden, auch wenn er das gar nicht nötig gehabt hätte. Die neuen Tage in Pankow sind auch nicht mehr so neu und Paule Panke längst unbekannt verzogen. Inge Pawalczyk lässt sehr wahrscheinlich ihr Rentenansprüche überprüfen und Doris ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Mit seinem 2015 erschienenen Roman „Alle Nähe fern“ gelang ihm, unserer bescheidenen Meinung nach auch der Durchbruch als Autor. Mit seiner autobiografisch angelegten Story im Dunkeldeutschland er letzten 100 Jahre wandelt er erfolgreich auf den Spuren des großen Amoz Oz mit seiner „Geschichte von Liebe und Finsternis“. Wir freuen uns auf das nächste Buch von André Herzberg. Ein neues Soloalbum oder eins mit den Arbeitskollegen von Pankow darf es freilich auch sein! Nominiert für den Eiffe der Bär Kulturpreis: André Herzberg.