Peter-Ernst Eiffe

 

 

„Durchblick für alle, fordert Eiffe der Bär“

(mehr Eiffe-Sprüche)

Schuld“ am Namen des Vereins ist der deutsche Schriftsteller Uwe Timm.

In seinem Roman Heißer Sommer von 1974, mit dem er große Aufmerksamkeit in der Welt der Literatur erregte, machte Timm Eiffes Sprüche über Hamburg hinaus bekannt. Das galt auch für die Leser im Osten Deutschlands, die immerhin sein Buch lesen durften. Irgendwann waren die Sprüche auch bei den Protagonisten dieses Vereins eine feste Größe. „Durchblick für alle“, eine von Eiffes Forderungen, steht als Motto über den kulturellen und politischen Events des sächsischen Vereins mit engagierten Menschen aus Leipzig, Dresden und Berlin.

Aber Uwe Timm ist nicht der Erfinder von „Eiffe dem Bären“ und seinen coolen Sprüchen. Diese sind die Werke von Peter Ernst Eiffe (1941-1983), dem tragisch-lustigen Hamburger, der ein Teilnehmer an den Studentenunruhen des Jahres 1968 in Westdeutschland war. Er pflasterte seine Heimatstadt mit seinen Sprüchen zu. Deshalb gilt er zu recht als der erste deutsche Graffitikünstler.

Der 24. Mai 1968, ein Freitag, wurde für Eiffe zum entscheidenden Tag. Mit seinem Auto, auf dem der Schriftzug „Freie Eiffe-Republik“ prangte, fuhr erin die Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs. Dort begann er, die Wandkacheln mit seinen „magischen Dreiecken“ Rockefeller–Mao–Eiffe zu verzieren. Dabei wurde er schnell festgenommen und in Handschellen abgeführt. Endstation war die Psychiatrische Klinik Hamburg-Ochsenzoll.

Nach seiner Entlassung Ende 1968 arbeitete er in einer Düsseldorfer Werbeagentur. Es heißt, er sei 1970 an einer schweren Depression erkrankte und erneut in eine psychiatrische Klinik, diesmal in Rieckling in Schleswig-Holstein, eingeliefert wurde. Dann wurde es still um den streitbaren Geist. Am Heiligabend 1982 brach Eiffe aus der Klinik aus, und es gelang ihm, eine ganze Weile unentdeckt zu bleiben.

Erst im März 1983 wurde Eiffes Leiche auf einer Moorwiese unweit von Rieckling gefunden. Er war erfroren, aber die genauen Umstände seines frühen Todes bleiben in Nebel gehüllt.

Seine Sprüche haben Eiffe nicht nur überlebt. Auch nach 1983 sind neue Weisheiten von ihm aufgetaucht. So wurden 2010 und 2011 in Leipzig Antikriegssprüche von Eiffe gesichtet. Eiffe lebt also! Und wir brauchen mehr von diesen Sprüchen. „Eiffe sieht gut aus, er will Bundeskanzler werden!“.

Eiffe sagte einmal: „Wenn man sich die Freiheit nimmt, sein Unbewusstes unzensiert in Spruchform auf die Wirklichkeit wirken zu lassen, so kann das nur in der Hoffnung geschehen, dass dies als Protest gegen die als absurd erscheinende Welt des manipulierten Verstandes nachempfunden werden kann!“

Dieser Kulturverein ist kein Peter Ernst Eiffe-Gedenkschmarrn, doch er gedenkt seiner herzlich – diesem umstrittenen, frechen Ungehorsamen, der unserer Gesellschaft auch heute noch sehr gut zu Gesicht stünde.